Deutsche Einwanderer an der Nordküste von RS (Deutsch)

© Rodrigo Trespach

Die Idee eine deutsche Siedlung an der Küste von Rio Grande do Sul zu gründen kam von dem Provinzgouverneur José F. Fernandes Pinheiro (1774-1847), nach Visconde de São Leopoldo. Er hatte schon die Gründung von Sao Leopoldo im 1824 organisiert – Sao Leopodo ist als erste Siedlung für die deutsche Einwanderer im Südbrasilien gewählt worden. Er hoffte damit ein Hafen zu bauen um die Kommunikation zwischen der Provinzhauptstadt Porto Alegre und der Bundeshauptstadt Rio de Janeiro zu verbessern und auch die Produkte der Siedlungen im Innland besser zu vermarkten.

Siedlung Três Forquilhas (1826)

Im Juni 1826 wurden einige Familien aus São Leopoldo ausgesucht und der Leutnant Francisco de Paula Soares als Dorfaufseher der neuen Siedlung ernannt. Er verfasste zwei Listen mit insgesamt 422 Personen (86 Familien und 64 ledige Männer). Gewählt wurden die Familien die noch kein Land zugeteilt bekommen hatten, ledige Männer, diejenigen die unzufrieden mit São Leopoldo waren und schließlich die, die soeben mit dem Schiff „Generosa“ angekommen waren.

Nach einigen Zwischenfällen, sind die Siedler am 01.11.1826 in fünf kleinen Schiffen Richtung neue Siedlung gestartet. Durch dem Fluss Guaíba und die Laguna dos Patos sind sie bis zur Mündung des Flusses Capivari gesegelt. Von dort an ging es weiter mit Ochsenkarren. Am 17.11.1826 kamen sie in der kleinen Stadt Torres an, wo sie vorübergehend einquartiert wurden. Im Gegensatz zu São Leopoldo wo die Parzellen nach Ankunft verteilt wurden, erfolgte hier die Aufteilung des Landes nach Konfessionen. Die 237 evangelischen Personen bekamen Land an den Ufern des Flusses Tres Forquilhas, die 84 katholischen Personen wurden Parzellen zwischen die Lagunen Morro do Turvo und Jacaré zugesprochen. Sie nannten die Siedlung São Pedro de Alcantara. Wie vereinbart, bekam jede Familie 77 ha Land, Tiere (Kühen, Pferde, Schweine), Saatgut (Weizen, Reiß, Bohnen, Kartoffeln), Startkapital und 10 Jahren Steuererlass.

In der alten Siedlung Três Forquilhas lebten Einwanderer aus den verschiedenen Regionen Deutschlands wobei die größte Mehrheit aus dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt stammte. Nicht nur dort, sondern im ganzen Süden kamen zwischen 1824 und 1825 vorwiegend Menschen aus Hessen. Später sind die Gruppen aus Rheinland-Pfalz (Hunsrück und Alzey-Worms) immer größer geworden. Ab 1830, nach dem Sturz des Kaisers, ist die Einwanderung verboten worden. Erst ab 1850 fing sie wieder an.

Evangelisch-lutherische Kirche

Im 19. Jh. war Brasilien offiziell ein katholisches Land. Der deutschen Bevölkerung evangelischen Glaubens war es nicht gestattet ihren Glauben öffentlich zu praktizieren und die Kirchen durften kein Kreuz zeigen. Die evangelische Bevölkerung von Tres Forquilhas (Lutheraner und Reformierten) versammelten sich ohne die Unterstützung der Regierung um Pfarrer Karl Leopold Voges (1801-1893) der zu keiner Kirchenhierarchie in Deutschland gehörte. Erst im 20 Jh. verband sich die Evangelische Gemeinde von Três Forquilhas zu der Evangelisch-lutherische Kirche Brasiliens (IECLB – Igreja Evangelica de Confissao Luterana no Brasil). Im Jahr 1942, als Brasilien an der Seite der Alliierten im 2. Weltkrieg kämpfte, wurden die Gottesdienste und der Schulunterricht in Deutscher Sprache verboten. Ein Teil der auf Deutsch geschriebenen Tauf-, Heirats- und Sterbeurkunden die sich in der Kirche von Três Forquilhas befanden, wurden vernichtet. Es existieren weder Heiratsurkunden aus den Jahren 1826 bis 1850 noch Sterbeurkunden von 1826 bis 1890. Das erschwert die Geschichtsforschung der Deutschen Einwanderung. Auch der Friedhof wurde geschändet, viele Grabsteine mit deutschen Inschriften wurden zerschlagen.

© Rodrigo Trespach
Tópicos, Deutsch-Brasilianische Gesellschaft, 03/2011